Konzert der Musikschule in der ausverkauften Frankenhalle Erlenbach

 

In der ausverkauften Frankenhalle wurden »musikalische Berge« erklommen. Der Gipfelsturm galt zwei unterschiedlichen aber farbenreichen Gattungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Zunächst interpretierte die Junge Philharmonie Erlenbach unter der Leitung von Werner Schuck die Ouvertüre zur Operette »Die Fledermaus«, welche zu den größten Schöpfungen von Johann Strauß (Sohn) zählt. Sie führt zahlreiche Motive der Fledermaus ein und ist mit ihrer abwechslungsreichen Dynamik und ihren Tempiwechsel eine Herausforderung. Umso beeindruckender war die Gestaltung des jungen Orchesters der städtischen Musikschule. Herrliche Soli in allen Registern, wundervoll klingende Streicher und eine leidenschaftlich und hingebungsvoll mitgehende Musikerschar - eine wahre Freude.

Danach ein unvermittelter Sprung ins 20. Jahrhundert, denn das Konzert sollte den Kontrast und die Entwicklung der unterhaltenden Musik zwischen Operette und Musical nachvollziehen. In einem hinreißenden Auftritt mit viel Herz, verzaubert die Konzert-Sopranistin Anne-Rose Seuffert das Publikum durch eine außergewöhnliche Darbietung von Cole Porters »In the still of the night« und »So in love«. Unterlegt mit abwechslungsreichen Arrangements präsentierte sie die Songs und berührte damit die Herzen des Publikums.

Das Orchester spazierte weiter, den für die Entwicklung des Musicals so wichtigen Broadway entlang. Mit einem Medley aus »West Side Story« gelang dem Orchester eine Interpretation von ungeheurer Wucht einerseits und fein abgestimmten Farben andererseits. Die swingende Energie zog die Hörer unweigerlich in ihren Bann, ein Klangfest auch dank der einsatzfreudige und differenzierte Schlagzeuggruppe. Vor der Pause sang Anna Rose Seuffert mit sensiblem Gespür »Out of my dreams« und als Zugabe »Summertime«.

Im zweiten Teil des Konzerts nahm sich die junge Musikerschar zunächst Franz von Suppés Ouvertüre zu »Dichter und Bauer« vor. Die Leistungen des Orchesters und der Solisten waren meist tadellos, wie etwa das Cellosolo zu Beginn von Loretta Meister. Den Schlusspunkt setzte die »Rhapsody in blue, ein gewaltiges, von Elementen des Jazz geprägtes Klavierkonzert, welches Georg Gershwin 1924 komponiert hat. Mit viel Einsatz und Spielfreude gingen die Instrumentalisten der Jungen Philharmonie Erlenbach, sowie Solist Frank Lang am Flügel diese Herausforderung an. Schnell wurde die sorgfältige Probearbeit deutlich: Das Orchester nutzte alle dynamischen Nuancen musizierte kraft- und schwungvoll in den schnellen Teilen und kostete die Blues-Stimmung im Mittelteil der Rhapsody mit ausdrucksvollen Spiel aus, vor allem die Bläser agierten effektvoll.

Daneben brillierte Musikschullehrer und Pianist Frank Lang. Sowohl in den ruhigeren Passagen, in denen er gefühlvoll und oberstimmenreich seine Interpretation gestaltete, wie auch bei dem turbulenten Schluss, war sein Spiel klar und differenziert. Die hervorragende Balance zwischen Orchester und Solist, die sich im wechselseitigen Dialog gegenseitig beflügelten und das souveräne Dirigat von Werner Schuck, ermöglichten eine stimmungsvolle Wiedergabe dieses äußerst schwierigen Werkes. Das begeisterte Publikum erklatschte sich eine Zugabe und dankte mit viel Applaus.

Artikel aus Main Echo vom15. März 2007