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Viele Steine gab`s und
wenig Brot
Viele waren es nicht, die im Mittelalter in Europa wohnten. Gerade 60 Millionen Menschen, so hat man ausgerechnet, »bevölkerten« den Kontinent, nur acht Millionen davon Deutschland. Ihr Leben war karg und kurz im Vergleich zu unserem Leben heute. Aber auch sonst gab es viele Unterschiede, die Dietmar Andre, Stadtrat und ehemaliger Schulleiter in einem farbigen Bilderbogen entwarf.
Der dritte Vortrag in der Reihe zum Barbarossa-Jahr in Erlenbach »Leben zur Zeit Friedrich Barbarossas - Auf den Spuren von Herrscher und Volk im 12. Jahrhundert« beleuchtete den Alltag der Menschen im Mittelalter, der laut Andre geprägt war von »Unfreiheit, Ungleichheit und starrer Aufgabenverteilung«.
Es ist bis jetzt nicht bewiesen, dass die Sage nicht stimmt Michael Berninger, Bürgermeister von Erlenbach. Die Bedeutung der Städte sei noch gering gewesen, berichtete der ehemalige Geschichtslehrer. Die meisten Menschen hätten in Dörfern gelebt, Erlenbach mit seiner Kirche in der Mitte und den darum herum gruppierten Höfen sei ein typisches Beispiel für ein Haufendorf. In der Stauferzeit hätte aber auch der Bau von Burgen stark zugenommen: 10000 bis 20000 Burgen seien neu entstanden, die vom neuen Stand der Ritter kündeten und »zur Machterhaltung des Königs dienten«. Barbarossa starb 1190 auf einem Kreuzzug. Romantisch verklärte Ludwig Uhland 600 Jahre später diese Heereszüge in seiner Ballade »Schwäbische Kunde«, die früher zum Repertoire deutscher Schüler-Lektüre gehörte. Im Publikum fand sich in Gerhard Hock aus Sulzbach jemand, der die Verse dieser Ballade auswendig und sehr lebendig vortragen konnte. Auch den Satz, der eigentlich stellvertretend für das harte Leben im Mittelalter stehen könnte: »Viel Steine gab's und wenig Brot.«
Im 11. Jahrhundert entwickelte sich eine klare Drei-Stände-Gesellschaft, unterteilt in Klerus, Adel und Volk. Nicht in diese Ordnung passten die Unfreien, die nicht einmal den Wohnort wechseln konnten, und die Frauen, die ihrem Ehemann und Vormund untertan waren. Die Bauern mussten dem Grundherrn nicht nur jährliche Abgaben zahlen, die Andre an einem gemalten Kalender der Abgabetage zeigte. Sie mussten auch Hand- und Spanndienste leisten auf dem Feld des Grundherrn sowie beim Bau seiner Burg oder einer Straße. Auch die beengten Wohnverhältnisse waren Thema, die der Referent in Burgen wie in Bauernhäusern gleichermaßen fand. Die rauen Tischsitten seien in den Burgen nicht anders als bei den einfachen Leuten gewesen. Allerdings kam bei den Reichen anderes auf den Tisch: Gewürze galten als Statussymbole, Fleisch lieferten die Bauern. Ein Vergleich Andres zwischen einer vornehmen Hochzeit mit Eberfleisch, Fischen und Mandelmilch und einer Bauernhochzeit mit Hirsebrei und Bratwürsten zeigte den Unterschied deutlich. Was beiden gemeinsam beim Feiern war, gibt der Spruch »Sie suffen und trunken, dass ihnen die Zungen hunken« gut wieder.
Auch die hohen Herren und ihre Lebensgewohnheiten beschrieb der Erlenbacher Historiker. Barbarossa selbst sei noch ein »Reisekaiser« gewesen ohne Hauptstadt. Bei näherer Betrachtung der nachgewiesen von ihm besuchten Städte sei es mehr als wahrscheinlich, dass er mit seinem Gefolge mehrmals durch Erlenbach hindurch gekommen sei. Eine Aussage, die Bürgermeister Michael Berninger im Anschluss hoffnungsfroh stimmte: »Es ist bis jetzt nicht bewiesen, dass die Sage nicht stimmt«, freute er sich. Artikel aus Main-Echo vom 17.04.2008
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