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Stadtbibliothek - Trudi Graf stellt ihr zweites Buch „Das Forsthaus im Spessart“ vor Gut zwanzig Zuhörer waren am vergangenen Donnerstag trotz schlechten Wetters in die Stadtbibliothek gekommen. Mit einer Kurzvorstellung Trudi Grafs führte Sascha Papke vom Bibliotheksteam die Lesung ein. Die Kreuzwertheimer Autorin ist in Erlenbach keine Unbekannte. Bereits vor zwei Jahren hatte sie mit ihrem Romandebüt Das Backofenkind für Rekordzahlen beim Literaturtreff gesorgt.
Sie hat Forstwissenschaft studiert und bis zur Geburt ihres zweiten Kindes als freiberufliche Forsteinrichterin gearbeitet. Zum Schreiben führten Sie ihre beiden Hobbys Lesen und Forstgeschichte. Insbesondere über Forstgeschichte erfahre man so einiges in ihrem Buch.
Kurzvorstellung der Autorin Mit Leidenschaft und Talent schreibt Trudi Graf gegen das Vergessen an, lässt Heimatgeschichte lebendig werden und präsentiert eine Sammlung anrührender, menschlicher Schicksale aus dem Spessartdorf Altenbuch. Dabei bedient sie sich eines dramaturgischen Tricks: Sie lässt ein altes, seinerzeit königliches Forsthaus zu Wort kommen. Das Forsthaus schlüpft in die Funktion des Erzählers und lässt uns am Leben all der Menschen teilhaben, die in den letzten 250 Jahren darin gewohnt haben.
So auch von Robi, dem ältesten Bub des Forstmeisters, der ganz begeistert ist über die Aussicht den beliebten und volksnahen Prinzregenten Luitpold (1821-1912) in Altenbuch willkommen zu heißen. Von diesem bekommt Robi einen Hund geschenkt, den er ganz für sich allein haben darf. Den hochherrschaftlichen Regenten und Souveränen eine ordentliche Jagd zu bereiten, war eine zentrale Aufgabe des Forstpersonals, in die das ganze Dorf eingebunden wurde. Das Waidmannsheil gleichmäßig auf die königlichen Schützen zu verteilen erforderte viel Geschick und Erfahrung.
Die Autorin Trudi Graf zu Gast in der Stadtbibliothek Das Forsthaus erzählt auch von Maximiliane oder Maxi, Tochter des Forstmeisters und ein sehr ungewöhnliches Mädchen für die damalige Zeit. Als Landei treibt sie sich lieber im Wald herum, statt zum Tanz zu gehen, sich für neue Mode zu interessieren oder nach einem geeigneten Ehemann Ausschau zu halten wie andere Frauen ihres Alters. Maxis Entwicklung bringt ihr den Ruf ein, als Ehefrau gänzlich untauglich zu sein, ein Umstand, mit dem sie sich scheinbar abgefunden hatte bis Carl auftaucht. Carl, der ebenfalls aus einer Forstmeisterfamilie stammt, kommt nach Altenbuch, um praktische Erfahrung in Waldbau und Holzwirtschaft zu sammeln. Zwischen Maxi und Carl funkt es gewaltig, und dies ist der Beginn einer zauberhaften Romanze, die für beide schließlich in der Gewissheit gipfelt, die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben.
Nicht zu vergessen die Anekdote von den Grasfrauen: fünf Altenbucherinnen, die beim unbefugten Grasschneiden vom Waldhüter ertappt wurden. Mit Hilfe eines eilig hinzu gerufenen Gendarmen ließ er die Frauen für ihren Grasfrevel kurzerhand verhaften. Als die Altenbucherinnen in ihrer Zelle jedoch zu singen und tanzen beginnen, wird ihren Peinigern die Sache unheimlich und sie lassen die Frauen frei. Die Begebenheit erinnerte an den Spruch „Aufs Tuch oder ins Buch“. Es waren häufig die Frauen, die mit den Forstleuten in Konflikt gerieten. Vergehen wurden in einem Rügebuch festgehalten. Vor einer solcherart dokumentierten Rüge konnte sich retten, wer den sexuellen Begehrlichkeiten einiger Forstleute nachgab und sich „auf dem Tuch“ ihnen hingab. Der ausgeprägte und aggressive Beschützerinstinkt der Männer in der Gegend war allerdings so berüchtigt, dass derartige Versuche meistens unterblieben. Allein, dass ein solcher Spruch überhaupt existierte, zeigt, welch kleine Herrscher die Forstleute zuweilen waren, auch sie nicht gefeit gegen die Versuchung des Machtmissbrauchs.
An den Schluss seiner Erzählungen stellt das alte Forsthaus ein Dekret, ein eindringliches Bekenntnis zum Schutz des Waldes und gleichzeitig Appell an uns alle: Der große Wald, genannt der Spessart, ist unseres besonderen Schutzes und Wohlwollens sicher; er solle dergestalt bewirtschaftet werden, dass noch Kind und Kindeskinder sich an seinen Wohltaten laben und erfreuen können. Nicht kurzfristiger Gewinn sei die Maxime des Handelns, vielmehr sollen die zur Genüge bekannten Regeln des respektvollen Umgangs mit diesem Geschenk der Schöpfung gelten! Anno Domini MMVII Der Jägerhof
Der nächste Literaturtreff findet am Donnerstag, 22. Januar 2009, statt. Edeltraud Glaab aus Krombach präsentiert ihr Buch Durch Feuer und Wasser.
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