„Ich schreibe, also bin ich“ – Hobbyautoren präsentieren ihre Texte

 

Gut zwanzig Literaturfans waren trotz der Hitze am vergangenen Donnerstagabend in die Stadtbibliothek gekommaen. Unter dem Motto „Ich schreibe, also bin ich“ präsentierten Hobbyautoren vier unterschiedliche Texte aus vier Generationen.

 

 

 

Den Auftakt bildete das Gedicht Omas Rosengarten der zehnjährigen Grundschülerin Caroline Glabacs, welches die junge Lyrikerin ihrer verstorbenen Großmutter gewidmet hatte. Auf poetische Weise vergleicht Caroline darin die fortschreitende Krankheit der Oma mit dem Verblühen der Rosen:

 

Die Blüten haben keine Farbe mehr

Oma geht es schlecht, sehr

Die Blüten fallen ab

So schnell herab

 

Der nächste und einzig männliche Referent des Abends war Marcus Zeller aus dem idyllischen Ernsttal bei Mudau. Der Fünfunddreißigjährige hatte seine phantastische Geschichte „Der Unfall“ mitgebracht, welche auch einige typische Science-Fiction-Elemente aufweist. Sie ist geprägt durch ihren kurzatmigen, gedrängten Erzählstil kombiniert mit scharfen Kontrasten. Wie ein geschickter Zeichner lässt Zeller mit wenigen, teils nur angedeuteten Pinselstrichen dichte und atmosphärische Szenarien entstehen. Seine Geschichte führt den Leser direkt in eine postapokalyptische Hölle, gleich anschließend mit dem Hochgeschwindigkeitsfahrstuhl in einen visionär-paradiesischen Himmel, um ihn am Ende schwindelig und verstört wieder auf der Erde abzusetzen. Die Story hat etwas Dantisches, streift aber auch Themen wie den Konflikt zwischen Natur und Technik oder den Antagonismus zwischen gesellschaftlicher Erneuerung und der latenten Gefahr hereinbrechender Anarchie. Während des Vorlesens entstand auf der Leinwand eine Collage aus Schlüsselbegriffen, die eine gedankliche Verbindung zur Geschichte aufwiesen und als visuelle Unterstützung dienten.

 

 

Marcus Zeller präsentiert seine phantastische Geschichte „Der Unfall“

 

Die pensionierte Obernburger Lehrerin Linde Haggenmüller schreibt Kurzgeschichten und Erzählungen aus der Kategorie „Lebenskrisen & Wendepunkte“. Sie schildert Situationen, in denen sich im Leben ihrer Hauptfiguren etwas verdichtet, wodurch Haggenmüller einen latenten Bezug zur Dichtung hergestellt sieht, denn Dichtung sei – wie der Begriff selbst schon ausdrückt – ebenfalls etwas Verdichtetes, nämlich die rhetorische und gedankliche Verdichtung von Sprache.

 

Linde Haggenmüller liest aus ihrer Erzählung „Die Fibel“

 

Die Erzählung Die Fibel thematisiert vordergründig das Lesenlernen. Gemeinsam mit ihrem Enkel Sven geht die Analphabetin und Protagonistin Anna die ersten Lektionen einer Lesefibel durch. Dies wird zum Ausgangspunkt für ein anrührendes biographisches Panorama, an dessen Ende eine neue, veränderte Perspektive und neuer Mut stehen, das Mysterium des Lesenkönnens endlich zu entschlüsseln. Behutsam flicht die Autorin elementar menschliche Problemlagen in ihre Erzählung mit ein wie etwa die nagenden Zweifel von Eltern und deren immer wieder aufflackernde Ungewissheit alles richtig gemacht zu haben.

 

 

 

Besinnliche Momente klingen an, wenn die Protagonistin ihr Leben mit einem Buch vergleicht, in dem Gott selbst einst blättern wird.

 

 

Die Kollegiatin Susann-Marie Grote rundete den Abend ab mit Auszügen aus drei unterschiedlichen Texten. „Der alte Geiger“ lässt die Zuhörer einen alten Straßenmusiker in den letzten Momenten seines Lebens begleiten. Ein weiterer Text ohne Titel, der im Rahmen eines Workshops „Kreatives Schreiben“ vor etwa zwei Jahren am JEG entstanden war, beleuchtet die verschiedenen Facetten der Angst und ließ dabei die blickfeldverengende, desorientierende Wirkung einer plötzlich hereinbrechenden, individuellen Panik für die Zuhörer spürbar werden.

 

 

Susann-Marie Grote stellt den „alten Geiger“ vor

 

Die nächste Veranstaltung findet am Donnerstag, 6. November 2008, im Rahmen der Vortragsreihe Bibliotheken bilden statt. Norbert Cebula, langjähriger Fan, Sammler und Dylanologe und Sascha Papke versuchen gemeinsam dem Rätsel Bob Dylan auf die Spur zu kommen.

 

 

 

Das Jahresprogramm mit den beiden Veranstaltungsreihen Erlenbacher Literaturtreff und Bibliotheken bilden finden Sie unter http://www.bibliotheksfoerderverein-erlenbach.de/Veranstaltungen2008.html

 

(Fotos & Text: Sascha Papke)