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Geschichte lebendig werden lassen »In jeder Sage ist auch ein Körnchen Wahrheit«, resümierte der Erlenbacher Historiker Dietmar Andre, der am Samstagvormittag mit knapp 100 Teilnehmern auf den Spuren Barbarossas wandelte. Im Rahmen der alljährlichen Bürgerwanderung war die mit historischen Daten unterlegte Zeitreise vom Kulturreferat der Stadt in Person von Caroline Gebler organisiert worden.
Ob Kaiser Barbarossa nun wirklich 1183 in Erlenbach nächtigte und beherzte Bürger ihn vor einem Anschlag retteten, das konnte Dietmar Andre nicht wissenschaftlich belegen, aber auch nicht widerlegen. Es gibt Bauwerke und Dokumente, die ein Stück Geschichte lebendig werden lassen und viel über das Leben der Menschen im 12. Jahrhundert preis geben. So kann es - muss aber nicht sein -, dass der Stauferfürst tatsächlich auf seinem Weg von Gelnhausen mainaufwärts Erlenbach passierte und dort sogar rastete.
Die Delegation startete von der Mainbrücke aus nach Wörth, um einen Blick auf das Erlenbacher Ufer zu werfen und nebenbei auch noch Daten und Fakten über die Besiedlung durch die Römer, den Main-Limes und den Beginn der Christianisierung zu erfahren. Zurück auf der anderen Mainseite wurde vor der Kirche St. Peter und Paul Halt gemacht, die 1236 erstmals urkundlich erwähnt wurde, deren Wurzeln jedoch vermutlich noch weiter in die Vergangenheit hinein reichen. Bei einem Blick in den Keller des Anwesens Hildenbrandt hinter der Kirche zum Main hin erfuhren die Wanderer eine Menge über das Wirtshaustreiben im 12. und 13. Jahrhundert. Hier plauderte Helmut Monert aus dem Schatzkästlein seines Wissens. Er berichtete von Burschen, die mit Staken und Stangen die von Leinreitern und ihren starken Pferden gezogenen Boote auf den Main zurück stießen, damit sie nicht von der Strömung ans Ufer gedrückt wurden. Die Wirte waren verpflichtet, den Burschen und Pferden Unterkunft und Verpflegung zu gewähren, und so sind am Main entlang viele Schildgasthäuser entstanden. Ein solches Relikt ist der Keller des Anwesens, wo vor Jahrhunderten die Leinreiter-Pferde ihr Nachtlager hatten.
Von einer Edelfrau und Landvolk wurde die Delegation im so genannten Klosterhof empfangen. In historische Gewänder aus dem 12. Jahrhundert gehüllt, servierten die Darsteller des Barbarossa-Stücks gespritzten Apfelwein und einen authentischen Gruß in Mittelhochdeutsch, vorgetragen von Erika Klein. Wolfgang Großmann, der am Klosterhof aufgewachsen war, erzählte aus seiner Kindheit und erläuterte die Namensgebung dieses Areals. Aller Wahrscheinlichkeit nach erhielt der Hof seine Bezeichnung durch die Mönche des Klosters Engelberg, die in den Anwesen übernachteten, wenn sie mit ihren Waren auf Reisen gingen.
Nach kurzen Stippvisiten auf dem Barbarossa-Platz, wo Helmut Monert die Ballade Frankentreue aus der Ortschronik rezitierte und an der Stirnseite der Hauptstraße, wo sich früher ein großes Tor zum Dorfeingang befand, wurde im Hof von Friedbert Großmann der Rundgang mit Spectaculum, Bier und einer Brotzeit beendet.
Dazu gab es eine musikalische Umrahmung durch den Hauseigentümer und die Möglichkeit, in Friedbert Großmanns kleinem Heimatmuseum die Fotos von der Aufführung des Barbarossa-Stücks Ende der 30er Jahre anzuschauen.
Ob nun wirklich in Erlenbach ein Stück Barbarossa-Geschichte geschrieben wurde, das war letztlich ohne große Bedeutung. »Die Barbarossa-Sage ist tief in den Herzen der Erlenbacher verwurzelt«, sagte Dietmar Andre und meinte damit die Heimatverbundenheit und Identifikation mit den Wurzeln der Erlenbacher Vergangenheit. Artikel aus Main-Echo vom 4.08.2008
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