Wieder runter zu kommen ist schwerer als rauf

(Flyer)

 

Klettersport Erster Kurs in den Buntsandsteinfelsen am Churfrankensteig - Ideal für Einsteiger

Wer am Samstag von Erlenbach nach Klingenberg fuhr und seine Blicke nach links in die Weinberge schweifen ließ, rieb sich verwundert die Augen. Wo sonst Klingenbergs Winzer mit dem Schneiden von Traubenstöcken beschäftigt sind, kletterten Menschen in den roten Felsen herum. Der Grund: Am Churfrankensteig fand erstmals unter fachlicher Anleitung ein Kletterkurs im Buntsandstein statt.

"Lass dir Zeit!" Kursleiter und Seniorchef Erwin Buchner gibt der in der Wand hängenden Fritzi Thiel den entscheidenden Tipp für den nächsten Schritt. Anlass der Veranstaltung war der am Wochenende stattfindende deutsche Weinwandertag, der mit Wandern und Weintourismus wirbt. Da lag es nahe für Brigitte Duffeck, Vertriebs- und Marketingleiterin Churfranken, sich mit einer Kletteraktion im Klingenberger Weinberg anzuschließen. Unterstützt wurde die Aktion von einem Miltenberger Sportgeschäft.

v.l.n.r.: Wengertsschütz Erich Becker, Weinprinzessin Verena Waigand, Brigitte Duffeck

Wenn die Beine zittern, muss man den nächsten Schritt in Ruhe überlegen. Erwin Buchner, Kletterkursleiter kurz vor elf Uhr: Die ersten Interessierten finden sich am Treffpunkt ein. Unten am Zugang zum Weinberg werden sie von Wengertsschütz Erich Becker, Symbolfigur des Erlenbacher Weinbaus, mit ein paar netten Worten begrüßt. Dann führt sie der Weg Richtung Klettersteig über Sandsteintreppen und enge Pfade hinauf."

Zur Ausrüstung gehören Helm, Scherungsgerät, Karabiner und Hüftgurt", klärt Enrico Bossart zu Beginn die Teilnehmer in einer knappen theoretischen Einweisung auf. "Optimal sind Kletterschuhe, Wanderschuhe erfüllen aber auch ihren Zweck." Für zarte Frauenhände empfiehlt er Kletterhandschuhe.

Als erster traut sich Christian Patzelt in die Wand. Der sonst bei den Velo-Freunden radelnde Erlenbacher meistert souverän die rund dreißig Meter weite Strecke zwischen den Felsen, die mit einem Sicherungsseil gesichert ist. "Für sportlich trainierte problemlos machbar", betont Patzelt. Der nächste Kletterer ist Dominik Bonn aus Großheubach, der gemeinsam mit den Schwestern Carla und Fritzi Thiel und deren Mutter aus Dorfprozelten angereist ist.

Schwierigkeitsgrad drei bis vier "Das Klettern hier im Churfrankensteig ist ideal zum Ausprobieren und um den Einstieg in den Klettersport zu schaffen", erklärt Kursleiter Erwin Buchner, während er die in der Wand hängende Fritzi Thiel (17) nicht aus den Augen lässt. Mit dem Schwierigkeitsgrad drei bis vier sei Klingenberg genau das Richtige für Einsteiger, "um das Kletterfeeling kennen zu lernen".

"Lass dir Zeit", beruhigt er unterdessen Fritzi Thiel, die überlegt an welchem Stein sie sich weiterhangeln soll. "Wenn die Beine zittern, muss man den nächsten Schritt in Ruhe überlegen", weiß Buchner, "denn runter zu kommen ist schwerer als rauf."

Nichts für Leute mit Höhenangst Leuten mit Höhenangst oder fehlender Schwindelfreiheit, rät der Kletterexperte von diesem Sport ab. Als größte Gefahr sieht Buchner, wenn sich jemand selber überschätzt. Deshalb empfiehlt er jedem, der das erste Mal in den Bergen klettern will, unbedingt einen Bergführer zu engagieren.

Fritzi Thiel, die ein halbes Jahr als Austauschschülerin in Neuseeland verbracht und dort das Klettern schon mal ausprobiert hat, war nach der Klettertour begeistert. "Am Anfang hatte ich zwar ein bisschen Angst, aber dann hat es super viel Spaß gemacht." Und irgendwann will sie in den Alpen einmal eine ganz große Klettertour machen.

Artikel aus Main-Echo vom 5.5.2009