|
Bürgerwanderung am 7. August 2010 im Stadtteil Streit Weit über 100 Bürgerinnen und Bürger aus allen Stadtteilen folgten am Samstag, 7. August der Einladung der Stadt Erlenbach a. Main und nahmen bei strahlendem Sonnenschein an der Bürgerwanderung teil. Die einmal im Jahr stattfindende Veranstaltung hat sich aus der früheren Grenzwanderung weiterentwickelt. Sie hat bereits ein großes Stammpublikum und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Ausgangs- und Zielpunkt in diesem Jahr war der Franziskuspark im Stadtteil Streit.
Am Parkplatz an der Streitberghalle versammelten sich die Wanderer.
Der erste Bürgermeister Michael Berninger begrüßte die Anwesenden und freute sich über die rege Beteiligung.
Endlich ging es los bis zur ersten Station dem Wendelinus-Bildstock.
Am Wendelinus-Bildstock erhielten die Teilnehmer eine kurze Einführung von den Stadträten Dietmar Andre und Bernhard Fried. Die Autoren der im Frühjahr 2010 erschienenen Streiter Chronik hatten sich intensiv mit der Streiter Geschichte beschäftigt.
Zunächst erklärte der Stadtrat und
Historiker Dietmar Andre (Bild unten, 2. von rechts) die geschichtlichen
Hintergründe:
An gleicher Stelle erläuterte Stadtrat Bernhard Fried (Bild oben, 3. von rechts) die Erweiterung von „Alt-Streit“ durch die südlichen Ortsteile, die in zwei Abschnitten erfolgte, und der dritten Besiedlung im Bereich „Hasenäcker“. Dabei verdoppelte sich jeweils die Bevölkerung des Dorfes, zunächst auf über 300 Personen, dann auf über 600, den heutigen Stand.
Von den „Hasenäckern“ führte die Wanderroute weiter über Feldwege bis zu einem Aussichtspunkt am „Galgenberg“.
Dort genossen die Teilnehmer die klare Fernsicht auf den Spessart und die Ortschaften Streit, Eichelsbach und Mönchberg.
Dabei erläuterte Dietmar Andre die Besiedlung und frühe Geschichte Streits, seine Zugehörigkeit zur „Cent zur Eich“, die vereinzelt sogar „Cent uff der Streit“ genannt wurde, und seine Jahrhunderte währenden engen Beziehungen zu Mönchberg, dem Streit zusammen mit Ober- und Unterschippach als „die drey dorff“ zugeordnet war. Die drei Dörfer bildeten lange Zeit eine gemeinsame Gemeinde, die aber nach dem Aussterben von Oberschippach beim Streit um das Erbe auseinanderbrach. Während des 110 Jahre dauernden Prozesses wurde Streit 1783 selbstständige Gemeinde.
Der Streiter Feldgeschworenenobmann Leo Vogel, der diesen Dienst schon über 40 Jahre ausübt, wies auf den Grenzverlauf zu den Nachbargemeinden Mechenhard und Mönchberg hin.
Der städtische Umweltbeauftragte Uwe Titus erläuterte die Bedeutung der noch vorhandenen Streuobstgebiete. Im 19. Jahrhundert habe sich der Bestand an Obstbäumen in Streit durch das Wirken des Benefizaten Benkert aus Obernburg verzehnfacht, weil man den Bauern eine weitere Einnahmequelle erschließen wollte.
Entlang der Gemarkungsgrenze zu Mönchberg, die sehr nahe an Streit heranreicht, wanderte die Gruppe weiter zur ehemaligen Mülldeponie Streit. Dort erklärte Bürgermeister Michael Berninger die Notwendigkeit der Rekultivierung. Für die Baumaßnahme, die in diesem Jahr eine der größten städtischen Bauprojekte sei, gebe es zwar einen Zuschuss durch Altlastfond. Einen großen Teil der Kosten habe allerdings auch die Stadt Erlenbach a. Main zu tragen. Nach einer kurzen Erfrischungsrast kreuzte die Wandergruppe die Kreisstraße MIL 27 nach Eschau. Auf einem schmalen Waldpfad, der tags zuvor durch den Feldgeschworenenobmann Leo Vogel begehbar gemacht wurde, führte die Route entlang den Grenzsteinen zu Kloster Himmelthal von 1743 zu Hügelgräbern mitten im Wald. Nach Aussage von Dietmar Andre sind rund um Streit etwa siebzig Hügelgräber nachgewiesen, alle Hinterlassenschaften aus der Hallstattzeit (ab 800 v. Chr.).
Beeindruckt von diesen Zeugnissen aus der vorchristlichen Zeit wanderte die Gruppe zurück in den alten Ortskern von Streit, zum Bildstock von 1626, dem ältesten Zeugnis des früheren Streit. Die Inschrift kündet vom Leid des Rolf Bortet, der am 1. Februar 1626 seine Frau einem Sohn und vier Töchter verlor, vermutlich wegen der Pest. 1632 war dann Streit ganz ausgestorben und wurde erst in den 1660er Jahren wieder besiedelt. Beteiligt daran waren neben der Familie Bernard auch die zwei italienische Familien Catto (später Gado) und Chino; letztere verließ aber Streit bald wieder.
Nach Vorstellung der Streiter Schulen, der schon 1900 erbauten Wasserversorgung aus dem Elsavatal, der sich 1907 Mechenhard und Erlenbach anschlossen, hielt Architekt Helmut Becker vor der Kirche St. Karl Borromäus einen kurzen Rückblick auf deren Stiftungs- und Baugeschichte in den Jahren 1885/1887.
Sie fällt somit kunstgeschichtlich ins Zeitalter des Historismus. Die Streiter Kirche wurde im neugotischen Stil erbaut, von manchen abfällig auch als „Steckeles-Gotik“ bezeichnet. Am 3. Juni 1888 wurde die Kirche vom Bischof Franz-Josef von Stahl feierlich konsekriert. Eigentümer ist die Katholische Kirchenstiftung und baulastpflichtig die politische Gemeinde. Die erste Renovierung wurde im Jahre 1969 vorgenommen, wobei im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen der Baustil unverfälscht erhalten wurde. Helmut Becker leitete 1983 als junger Architekt die gelungene Generalsanierung, seine erste im kirchlichen Bereich, der noch viele folgten.
Zum Abschluss der Bürgerwanderung waren alle Teilnehmer zu einem gemütlichen Beisammensein im Franziskuspark eingeladen. Die Bewirtung übernahm der Bouleclub Mechenhard, der auch Gelegenheit bot, das Boulespiel auszuprobieren.
|