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Bürgerwanderung am 6. August 2011
im
Rahmen "750 Jahre Weinbau"
Weit über 100
Bürgerinnen und Bürger aus allen Stadtteilen folgten am Samstag, 6.
August der Einladung der Stadt Erlenbach a. Main und nahmen bei
strahlendem Sonnenschein an der Bürgerwanderung teil. Die einmal im Jahr
stattfindende Veranstaltung hat sich aus der früheren Grenzwanderung
weiterentwickelt. Sie hat bereits ein großes Stammpublikum und erfreut
sich wachsender Beliebtheit. Ausgangspunkt in diesem Jahr war
die Kirche St. Peter und Paul.

Der erste Bürgermeister Michael
Berninger begrüßte die Anwesenden und freute sich über die rege
Beteiligung.





Bericht aus dem
Main-Echo vom 08.08.2011
Gasthäuser der Obrigkeit ein Dorn im Auge
Historische Bürgerwanderung: Mehr
als 100 Teilnehmer bei Erlenbacher Traditionsveranstaltung -
Fachkundige geschichtliche Vorträge
Wer hätte gedacht, dass auf dem
Gelände, auf dem heute die Erlenbacher Werft steht, einst ein
Weinberg war? Interessantes, Wissenswertes und Erstaunliches zur
Geschichte des Erlenbacher Weinbaus und der Stadt allgemein
erfuhren die Teilnehmer der Bürgerwanderung am Samstag.
Weinbau und
Stadtgeschichte
Bei der Erlenbacher
Bürgerwanderung am Samstag drehte sich alles um
Stadthistorie, Weinbau und Gasthäuser. Bei schönstem
Sommerwetter konnten die Organisatoren der Stadt
rund 100 Teilnehmer begrüßen.
Anlässlich des 750-jährigen
Bestehens der Stadt wurde der Weinbau in Verbindung mit der
Stadthistorie als zentrales Thema auserkoren. Der Weg führte die
Wanderer zu interessanten Plätzen in der Stadt, durch Weinlagen
und in Keller. Dazu gab es eine Reihe von Referenten, die
detailliert über historische Zusammenhänge berichteten.
Bürgermeister Michael Berninger begrüßte die mehr als 100
Teilnehmer, die bei schönstem Sonnenschein an der Kirche St.
Peter und Paul zusammengekommen waren. »Archivar und
Stadthistoriker« Dietmar Andre habe eine interessante Auswahl an
Themen zusammen gestellt, versprach der Bürgermeister. Als
Anschauungsmaterial, und um das Erzählte besser nachvollziehen
zu können, erhielt jeder Teilnehmer einen historischen Stadtplan
von 1779.
Wie Andre mitteilte, habe sich der alte Ortskern bis heute kaum
verändert. »Damals, im 18. Jahrhundert, gab es eine Menge
Gesindel«, erklärte er die seinerzeit erforderliche
Dorfbefestigung und die Nachtwächter. Ringsherum habe es
Weinlagen gegeben, zum Beispiel sei dort, wo heute die Werft
stünde, der sogenannte Phuelweinberg gewesen.
Wo Weinbau Tradition hat, sind Schänken und Gasthäuser nicht
weit. »Die Gasthäuser waren vor einigen Jahrhunderten der
Obrigkeit ein Dorn im Auge«, informierte Helmut Monert. Vor
allem das Zuprosten und gemeinsame Singen sei nicht gut geheißen
worden. Die Gasthäuser an sich seien unterteilt gewesen in
sogenannte Schildgasthäuser und herkömmliche. Schildgasthäuser,
also mit einem Schild außen gekennzeichnete Gebäude, waren
verpflichtet, Fremde anzunehmen und zu verpflegen. Welches ein
Schildgasthaus sein durfte und welches nicht, habe die Stadt
festgelegt und an Bedingungen geknüpft.
Wie lange die Tradition der Gasthäuser zurück reicht,
verdeutlichte Monert anhand von Daten: So sei die Goldene Krone
zwar 1782 erstmals erwähnt worden, im Kellergewölbe habe man
aber die Zahl 1558 eingeschlagen gefunden. Während viele
Gasthäuser bis heute Bestand haben, seien andere verschwunden.
»Wo jetzt das Pfarrheim steht, war früher das Gasthaus Zum
Engel, das etwas ganz Besonders hatte: Einen dreistöckigen
Keller«, so Monert. Im untersten Keller sei sogar ein Brunnen
gefunden worden. Der letzte Wirt der Gaststätte, Adam
Rosenberger, habe das Lokal bis in die 1960er Jahre betrieben.
Während also einige Schänken lange Tradition haben und andere
abgerissen wurden, gibt es noch eine dritte Kategorie: Die leer
stehenden. Dazu zählt auch »Zum Unkelbach«, das mittlerweile
schon ein wenig verfallen wirkt.
Gasthäuser und Winzer
Was wären aber Weinbergslagen oder Gasthäuser ohne die Personen,
die den Wein herstellen? Dazu gab es Einblicke in die Weinlagen
direkt vor Ort und bei einem Winzer: Im Weingut Wengerter, das
auf 18 Hektar etwa zur Hälfte Rot- und Weißwein anbaut, erfuhren
die Wanderer von der Betreiberfamilie, dass der Trend hin zu
Weißwein geht. Und, dass nur einmal im Jahr die Chance besteht,
Wein herzustellen. Wenn da Fehler unterliefen, ließe sich dies
kaum reparieren. Bei soviel neu gewonnenem Wissen war dem
Wanderdtross ein würdiger Abschluss gegönnt: In gemütlicher
Runde am Fränkischen Rotweinwanderweg ließen alle den Tag
ausklingen.
Text: Marco
Burgemeister
Erlenbach feiert 2011 neben
dem 750-jährigen Bestehen noch das des Weinbaus.
Weinlagen seien damals zeitgleich ebenfalls erstmals
urkundlich erwähnt worden, erklärte Dietmar Andre
während der Wanderung. Alte Erlenbacher Weinlagen
gab es sehr viele, unter anderem Fuhrwingert,
Maueracker, Im weißen Böhling, Rauschenröder,
Molkenberg, Phuelwingert, Kreuzröder, Mauer Weingarten,
Ober dem Phulwingert, Die Zinken, In den Maien, Beim
Höhlenstein, Hohler Stein, Thurmweinberg, Unterm Thurm
oder den Thrumweinberg. Mit der Historie des Weinbaus
ist die Kultur der Schänken und Gasthäuser
verbunden. Bereits 1870 hat sich eine blühende Kultur
entwickelt: Zum Adler, Schenkwirtschaft Waigand, Zur
Traue, Zum Roß, Zum Engel, Zum Goldenen Löwen, Zur
Krone, Unkelbach, die Straußwirtschaften Becker und
Berninger. Viele davon gibt es bis heute. (mab)
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