Ein Krönchen für Stephanie Strobl

Wein: 18-jährige Erlenbacherin setzt Aufbauarbeit von Verena Waigand fort - Weinprinzessin mit Faible für Politik

Eine 18-Jährige, die frühmorgens ihren letzte schriftliche Abituraufgabe gemeistert hat und wenige Stunden später im Mittelpunkt eines Krönungszeremoniells stand, sorgt für Kontinuität. Stephanie Strobl ist am Mittwoch in der Frankenhalle zur neuen Erlenbacher Weinprinzessin gekürt worden. Sie führt damit eine Tradition weiter, die ihre Vorgängerin Verena Waigand nach 25 Jahren Stillstand wieder hat aufleben lassen.

Die nach den Worten von Bürgermeister Michael Berninger kleinste Weinbaugemeinde im Landkreis Miltenberg hatte in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt. Verena Waigand war es, die vor zwei Jahren aus eigenem Antrieb Erlenbachs schlummernder Weinprinzessinnentradition wieder neues Leben eingehaucht hat und im März dieses Jahres sogar nach der Krone der Fränkischen Weinkönigin griff.

Im Bad Kissinger Regentensaal musste sie jedoch der Ramsthalerin Melanie Unsleber den Vortritt lassen. Die Kontrahentin von damals stellte sich am Mittwoch als Waigand und ihrer Nachfolgerin freundschaftlich verbundene Repräsentantin des Fränkischen Weinbauverbandes vor.

Für weiteren Glamour in der Frankenhalle sorgte die Volkacherin Marlies Dumbsky. Die ehemalige Fränkische und 60. Deutsche Weinkönigin führte nach Anmoderation durch Bürgermeister Berninger rund 160 Gäste durch das Programm. Es war neben dem Krönungsritual durch die Vorstellung und Verkostung von zwölf Weinen heimischer Winzer geprägt, die beim Erlenbacher Weinfest ihre Erzeugnisse ausschenken werden. 2011 steht der Stadt ein großes Weinjubiläum ins Haus. Seit 750 Jahren werden Erlenbachs Steillagen von Winzern bewirtschaftet - Grund für die Stadt, mit einem Festakt am 27. März eine Reihe von Feierlichkeiten einzuleiten.

»Wehmütig und traurig«

733 Tage lang im Amt, dann muss das Krönchen weitergegeben werden - die Abkrönung machte eine ansonsten entspannte Verena Waigand am Mittwoch »wehmütig und traurig«. Dass sie ihre Aufgabe - die Repräsentation des Erlenbacher Weins - in den vergangenen Monaten »gelebt« hat, wurde spürbar. Die 22-Jährige erinnerte an zahlreiche Erlebnisse: »spaßige Stunden mit dem Wengertschütz«, die erste Weinprobe einer Weinprinzessin im Bayerischen Landtag überhaupt, aber auch an ein »arschkaltes Fotoshooting« im Weinberg.

Der Weinkultur wird sie weiter die Treue halten. Verena Waigand, aus einer Winzerfamilie stammend, kann sich nun voll auf das Studium der Weinbetriebswirtschaft an der Fachhochschule Heilbronn konzentrieren. Es wird sie in einem halbjährigen Praktikum in die Weinberge und -keller des Weingutes Schloss Proschwitz nahe Meißen führen. Es ist in Besitz des Prinzen zu Lippe und gilt als das älteste Weingut Sachsens. Die Unterfränkin wird sich an Saale und Unstrut den Feinschliff auf den Feldern Marketing, Vertrieb und Event holen. 2012 soll dann das Studium abgeschlossen werden.

Großvater mit Rücker Weinberg

Die familiären Bindungen an den Weinbau sind bei Stephanie Strobl weit schwächer ausgeprägt. Da gibt es einen Großvater Herbert Kemmerer, der in Rück einen Weinberg besitzt. Dass Weinbauvereinsvorsitzender Tobias Ott nach intensiver, aber lange erfolgloser Suche nach hübschen Winzertöchtern am Ende doch noch fündig geworden ist, soll auch an den Überredungskünsten von Verena Waigand gelegen haben.

Von gebremstem Engagement war bei Stephanie Strobl aber nichts zu spüren. »Das Schwarz-Weiß-Bild«, das sie vom Wein hatte, »hat sich mit Farbe gefüllt«, versicherte die 18-Jährige und versprach im gleichen Atemzug vollen Einsatz.
Gleichwohl wird die junge Dame später andere Wege als ihre Vorgängerin einschlagen. Voraussichtlich mit einem Einser-Abitur in der Tasche verfolgt sie klare berufliche Ziele: Einem Jahr Pause soll ein Politologie-Studium folgen - vorzugsweise in Berlin. Danach soll die dort erworbene Qualifikation die begeisterte Kunstradfahrerin und Laienschauspielerin schnurstracks ins Auswärtige Amt führen.

Portugieser als Krönungswein

Wer mit jungen Jahren ambitionierte Lebenspläne hat, muss ein gesundes Selbstvertrauen haben. So überraschte Stephanie Strobl am Mittwoch bei ihrer Krönungsrede auch Marlies Dumbsky. »Hut ab vor so viel Souveränität«, lobte die 60. Deutsche Weinkönigin, die als Studentin der Medien- und Kommunikationswissenschaften in Leipzig weiß, wie wichtig sicheres Auftreten ist.
Auch bei der Vorstellung ihres Krönungsweins legte Stephanie Strobl eine punktgenaue Landung hin, zumindest bei Michael Berninger. Den Portugieser vom Weinbaubetrieb Kroth lobte er als »richtige Wahl« und nutzte die Euphorie im Saal, um Erlenbach kurzerhand zur »Weinstadt« auszurufen.

Artikel aus Main Echo vom 15.5.2010